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Cocktail Variationen: Old Fashioned

Die erste Definition der Bezeichnung Cocktail stand in der Ausgabe des "The Balance and Columbia Repository" vom 13. Mai 1806 als Reaktion auf die Frage eines Leserbriefes vom 6. Mai 1806. Die Antwort war, das es eine Mischung aus Spirituosen, Bittern, Wasser und Zucker ist. Damit kommt diese Beschreibung eine Old Fashioned schon wirklich nahe.

Die erste Frage ist die, wie der Cocktail zu seinem Namen kommt, denn fängt man bei den ersten niedergeschriebenen Quellen wie Jerry Thomas "How to mix drinks" aus dem Jahr 1862 an, findet man keinen Cocktail dieses Namens. Immer wieder wird erwähnt, das der Cocktail von einem Bartender des Pendennis Club, einem Gentleman Club aus Louisville, Kentucky stammt. Doch darf das wohl bezweifelt werden. Sucht man in leicht späteren Quellen findet man auch dort keinen Old Fashioned, jedoch einen etwas längeren Namen "The Old-Fashioned Whiskey Cocktail". Geht man nun wieder einen Schritt zurück, findet man auch bei Jerry Thomas einen "Whiskey Cocktail". Geht man nun davon aus und stöbert in späteren Publikationen findet man Whiskey Cocktails en masse und meistens mit dem Zusatz "Old Style" was ein Synonym für "Old Fashioned" ist.

Die weitere Historie des Drinks, nimmt man den Old Fashioned Whiskey Cocktail als Grundrezept, ist geprägt vom Bezug von Zutaten. So gibt es eine lange Geschichte der "Zutat" Wasser und/oder Soda, der "Hauptzutat" Whiskey und schließlich die verschiedensten Bitter.

Zum Wasser im Old Fashioned
Mit Ausnahme von Jerry Thomas wird in den Rezepten von 1930 immer ein Stück Zucker erwähnt, womit meistens grob kristaliner Zucker wie unserer heutiger Kandiszucker gemeint ist. Zucker war damals sehr wertvoll und auch wenn Würfelzucker mit der Erfindung der entsprechenden Presse 1940 verfügbar war, war dieser leicht lösliche Zucker für den beschwerlichen Transportweg meist sogar über See eher hinderlich. Die ersten Rezepte schreiben von einem "lump of sugar". In den ersten Beschreibungen, wie dieser Drink aufgebautist, wird erwähnt das Wasser genutzt wird, der Zucker daran zerstoßen und solange verrührt bis der Zucker aufgelöst ist. Die Mengenangaben des Wasser sind kaum vorhanden und mangels übergreifendem und normierten Messsystem auch nicht genau. In späteren Publikationen ab 1930 verschwindet das Wasser sogar ganz und es wird meist von einm Stück Würfelzucker die Rede. Aber noch einmal zurück zu Jerry Thomas: Die zu Anfang erwähnte Ausnahme ist, das in Jerry Thomas' Rezept schreibt er für den Whiskey Cocktail von Gum Syrup, einer Art Zuckersirup mit Gum Arabica als Stabilisator. 

Zum Bitter im Old Fashioned
In den ersten niedergeschriebenen Rezepten wird allgemein über Bitter geredet. Harry Johnson und auch Jerry Thomas nutzen Boker's Bitter. In späteren Rezepten um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhundert taucht häufig Angostura Bitter auf, in Teilen der Welt, wo andere Bitter günstiger und einfach besser verfügbar waren, wurde oft Orange Bitter genutzt, auch Peychaud's Bitter wrd erwähnt. Die Frage des eigentlicen Bitters wird also nur unbefriedigt und in Ermangelung von Boker's Bitter wird oft Angostura Bitter oder Orange Bitter genutzt.

Zum Whiskey im Old Fashioned
Wie das "e" im Whiskey schon richtig vermuten lässt sind sich fast alle Quellen einig: Es sollte ein American Whiskey sein, somit scheiden Scotch und Canandian geauso wie Irish Whisky komplett aus. In den Clubs, wie es der PendennisClub einer war, wurden meist die komplexeren Whiskeys genossen um nicht zum Scotch greifen zu müssen, also eher zum Rye Whiskey denn zum Bourbon. Also lässt vermuten das derOld Fashioned eher mit komplexen Whiskeys genossen werden sollte.

Orange, Zitronenzeste, Kirsche oder Ananasstück?
Auch hier sollte man wohl vom "Grundrezept" ausgehen und dann ist diese Frage schnell beantwortet: Nur einer Zeste der Zitrone. Die angepresste Orange, die Kirsche oder gar das Ananasstück kamen erst später hinzu. Auch wird wahrscheinlich wieder die Verfügbarkeit eine Rolle gespielt haben.

Zusammengefasst ist das Grundrezept also:

  • 2 cl Zuckersirup
  • 2 dashes Bitter (Boker's)
  • 4-6 cl komplexer amerikanischer Whiskey 
  • 1 Zitronenzeste
  • Eiswürfel

Der Drink wird lediglich gerührt, aber direkt auch mehrmals. Der Bitter und Zuckersirup wird in ein Old Fashioned Bar Glas, vorzugsweise ein Tumbler gegeben und gut verührt, darüber wird die Zeste gegeben und ebenfalls hinzugegeben und verrührt, nun wird das Eis hinzugegeben und schließlich der Whiskey, das Ganze wird erneut gut verrührt.
Alle anderen Rezepte können wohl als Variationen gelten.

Old Fashioned Cocktail #1
("Bartenders Guide" 1947, Trader Vic)

  • 1/2 Stück Würfelzucker
  • 2 dashes Angostura
  • 2 dashes Curacao
  • 4 cl Bourbon
  • 1 Orangenzeste
  • 1 Zitronenzeste

Interessant an diesem Rezept die Doppelung der Orangenöle, zum einen dirept über die Orangenzeste und zum anderen indirekt über der Curacao. Der Duft beider lockt wor allem die fruchtigen Bestandteile des Bourbons hervor und die nussigen und holzigen Noten treten eher in den Hintergrund. Die Variation mit dem Curacao ist auch aus vielen anderen Variationen bekannt.

Meine persönlichen Variationen sind zwei:

Old Fashioned #1
drinkmix.de

  • 1 dash Agostura Bitter
  • 1 dash Orange Bitter
  • 6 cl alter Bourbon (ich bevorzuge Knob Creek)
  • 1,5 cl Zuckersirup
  • 1 Limettenzeste

Old Fashioned #2
drinkmix.de

  • 1 dash Orangenwasser
  • 2 cl Zuckersirup
  • 1 dash Orange Bitter
  • 6 cl Rye Whiskey (ich bevorzuge Old Overholt)
  • 1 Limettenzeste
  • 1 Orangenzeste
In Ermangelung von Boker's Bitter ( das kann man gerne als Appell an The Bitter Truth auffassen ) kann also eines der Ur-Rezepte nicht nachgestellt werden. Als weitere Idee, der wir gerade nachgehen, ich das ein Zuckersirup der mit verschiedenen Zitrusölen aromatisiert werden. Die Ergebnisse werden als Kommentar hier festgehalten. Natürlich sind alle werten Leser dazu aufgefordert, ihre Variation bekanntzugeben.
 
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