Und weiter geht unsere Testreihe. Gestern hat es das Domicil in Dortmund getroffen. Das Domicil ist ein eingetragener Verein, es geht um die Pflege von Musikkultur. Der Verein hat im Jahr 2005 eine GmbH gegründet, um den Betrieb zu professionalisieren. Im Zuge dessen wurde auch eine Bar aufgebaut. Genau um diese Bar geht es in diesem Test.
Das Domicil ist im Eingangsbereich schlauchförmig, links die Theke und rechts Hochtische mit gemütlich gepolsterten Sitzbänken. Im hinteren Bereich, nach einer ersten Treppe, beginnt der Loungebereich, in dem sitzfreundliche, tiefe Cocktailsessel in Vierergruppen angelegt worden sind. Nach einer weiteren Treppe kommt man in den Club/Saal, wo am Wochenende eine Art Diskothekenbetrieb eingerichtet wurde.
Doch wieder zurück zum Barbereich bis zur Lounge. Zuerst ist uns aufgefallen, dass für einen Montag das Domicil gut gefüllt war. Mein persönlich erstes Augenmerk galt dem Bartender, den ich aus alten Bochumer Zeiten kannte, und er hatte mich auch erkannt. Die neutrale Atmosphäre war von gedämpften Licht geprägt, das typische Stimmgewirr eines vollen Etablissements empfing uns. Mit Blick auf die Theke setzten wir uns auf die gemütlichen Sitzbänke und studierten die Cocktailkarte. Insgesamt sind 60 Cocktails auf der Karte, von Sex on the Beach über Long Island Ice Tea bis zum klassischen Martini ist eine große Bandbreite vertreten. Man sollte es nur mit der Rechtschreibung nicht so genau nehmen, aber die Rezepturen sind alle gut gelistet.
Zur Bestellung: Wir bestellten einen Daiquiri und einen Singapore Sling. Nachdem die Servicekraft die Bestellung an den Bartender weitergeleitet hatte, trat mir der erste Schweiß auf die Stirn, denn er bereitete einen Frozen Strawberry Daiquiri vor. Da ich den Bartender kannte, ging ich kurz zu ihm, fragte, ob er meine Bestellung gerade fertigstellte und machte ihn leise darauf aufmerksam, dass ich einen klassischen Daiquiri bestellt hatte. Ich versuchte, das so leise wie möglich und unter Handshake mit dem Bartender, so als begrüßte ich ihn wie einen alten Kollegen. Nach kurzer Rücksprache mit der Servicekraft erstellte er nun meinen Daiquiri. Der Singapore Sling wurde geblendet und mit dem Blendereis direkt ins Glas gegeben, der Daiquiri nach gutem Hard Shake direkt ins nicht gekühlte Cocktailglas.
Der Daiquiri mit einer Cocktailkirsche wurde mit nicht frischem Zitronensaft, sondern mit Zitronensaft von Granini gemacht, er hatte eine ausgewogene Süße und war dezent sauer mit dreijährigen Havanna Club. Der Singapore Sling war auf dem Punkt korrekt, hier dominierte kein einzelner Geschmack. Insgesamt wurde solides Handwerk gezeigt und ins Glas gebracht.
Was anschließend auffiel, überraschte uns dann sehr: wir als Bekannte des Bartenders bekamen als Aufmerksamkeit während des Cocktailtrinkens jeweils immer ein kleines Glas Wasser, das regelmäßig wieder gefüllt wurde, bei anderen Cocktailgästen war das leider nicht der Fall. Genau an der Stelle fiel auf, das leider sehr wenige Cocktails getrunken wurde und ungefähr 70% der Gäste heimisches Bier tranken.
Das Preisgefüge ist solide, das Portfolio ist aktuell und hochwertig, aber leider ist die Karte nicht ganz aktuell, vor allem im Gin-Bereich.
Die Musik passt zum Konzept und ist jazzig, aber nicht aufdringlich. Man kann sich gut unterhalten, ohne sich anstrengen zu müssen.
Service: 7/10 Ambiente: 7/10 Preise: 7/10 Musik: 8/10
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In Sachen hochwertiger Cocktails bin ich ein Neuling, kannte ich doch die bunten Mixgetränke bisher entweder nur aus Filmen oder einschlägigen Diskothekenbesuchen. Da ich hier also ein sehr weites Feld betrete,
möchte ich kein Urteil zu Arbeitsweisen, Techniken oder sonstigen bartenderspezifischem Verhalten geben.
Die betriebsame Atmosphäre im Domicil hat mir gefallen, aufgrund der zahlreichen Besucher beherrschte ein vielfältiges Stimmengewirr gemischt mit der Hintergrundmusik die Szene. Ich persönlich hätte mir etwas weniger Lautstärke für die Musik gewünscht, das mag aber im Ohr des Zuhörers liegen.
Für kälteempfindliche Damen wie mich sei noch gesagt, dass in Höhe der Rückenlehne ein merklicher kühler Luftzug den Sitzkomfort beeinträchtigte. Den Herren der Schöpfung mag das vielleicht nicht weiter auffallen, ich für meinen Teil habe meine Jacke lieber an mir behalten.
Zuletzt möchte ich noch den aufmerksamen Service erwähnen. Das zusätzlich servierte Glas Mineralwasser kenne ich nur aus einigen Cafes, wo es eben zu einer Tasse Kaffee gereicht wird. So habe ich nun aber auch gelernt, dass dieses in stilsicheren Cocktailbars ebenfalls üblich ist. Schade nur, dass die anderen Bargäste nicht in diesen Genuss kamen, gibt es dem Gast doch das Gefühl von etwas Besonderem. Sollte dieser Service nur uns aufgrund des speziellen Anlasses gegolten haben, finde ich das sehr schade. Es vermittelt ein Bild, das sonst wohl üblicherweise nicht gilt.